Die neue Seuche heißt Botulismus

Botulismus Bakterien befallen Menschen

Deutschland, 2013/2014

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Die Tierärzte in Deutschland äußern vermehrt große Besorgnis über die Zunahme von    Clostridium botulinum-Toxikosen in der deutschen Milchviehhaltung. Diese durch Toxine von bestimmten Clostridien verursachten Erkrankungen nehmen in Deutschland nachweisbar insbesondere in den hochleistenden Milchviehbetrieben an Bedeutung zu. Erste Meldungen bestätigen auch Kontaminationen mit diesen Erregern im Bereich der Schweinemast.
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Botulismus ist eine Erkrankung, die durch das Gift des Bakteriums Clostridium botulinum (Botulinumtoxin) hervorgerufen wird. Botulinumtoxin gehört zu den stärksten Giften weltweit. Die Erkrankung ist beim Menschen auch unter dem Namen „Fleischvergiftung“ bekannt und wurde früher aufgrund ungenügender Hygiene häufiger durch den Verzehr von verdorbenen Fleisch- und Wurstwaren ausgelöst.
Clostridien bilden Dauerformen (Sporen), die mehrere hundert Jahre im Boden überleben können, um sich unter günstigen Umweltbedingungen wieder in die aktive, toxinbildende Variante zurückzuverwandeln. Gelangt bei der Ernte ein Tierkadaver ins Futter, erkranken auch Pflanzenfresser am klassischen Botulismus. Seit etwa 15 Jahren scheint jedoch in einzelnen, vor allem norddeutschen, Milchviehherden eine schleichende Form der Erkrankung aufzutreten, die allein durch den Verzehr von kadaververseuchtem Futter nicht zu erklären ist. Einige Wissenschaftler bezeichnen diese Erkrankung als chronisch viszeralen (Eingeweide- bezogenen) Botulismus, betroffene Landwirte und Tierärzte stimmen zu. Andere Fachleute sind der Meinung, dass diese Erkrankung nicht existiert. Zur Zeit laufen in Nord- und Süddeutschland Studien, um hier eindeutigere Erkenntnisse zu erhalten.

Wodurch wird Botulismus ausgelöst?

Clostridium botulinum wächst unter Luftabschluss, daher vermehrt es sich gerade in Silagen gut. Die Anwesenheit von kleinen Mengen Sauerstoff führt dabei nicht sofort zum Absterben der Bakterien, sondern fördert als Stressfaktor noch die Toxinbildung.
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Risikofaktoren für die Kontamination von Futter mit dem Botulinumtoxin u.a.:
– Tierkadaver geraten bei Ernte oder Lagerung ins Futter (toter Hase in der Grassilage, verendete Mäuse oder Katzen im Kraftfutter)
– Futter wird mit clostridienverseuchtem Vogelkot verschmutzt
– größere Mengen Sand oder Erde in der Silage (Clostridien kommen an vielen Stellen im Boden vor),
– Düngung von Grünland mit erregerhaltiger Gülle oder erregerhaltigem Festmist (Geflügelmist gilt als besonders riskant, erkrankte Kühe scheiden die Erreger aus)
– Düngung mit Klärschlamm oder Gärresten aus Biogasanlagen
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Maßnahmen

1. Herdenbezogene Maßnahmen (wenn Vergiftungen im Bestand festgestellt wurden):
A: Absetzen des verdächtigen oder nachweisbar toxinhaltigen Futters
B: Impfung:
– kein zugelassener Impfstoff in Deutschland: bei nachgewiesenem Botulismus Beantragung einer Ausnahmegenehmigung erforderlich, um südafrikanischen Impfstoff einführen zu dürfen
– südafrikanischer Impfstoff immunisiert nur gegen das Gift zweier von 5 Unterarten (Typen) von Clostridium botulinum: Typ C und D, Nutzen dieser Impfung fraglich wenn nur andere Typen nachgewiesen wurden
– bei Nachweis anderer Typen: ggf. Einsatz eines bestandsspezifischen Impfstoffes
C: Futterzusätze:
– Prä- und Probiotika, Toxinbinder (z.B. Leinsamen, Topinambur, Hefen, Bentonit), Resultate sehr verschieden
2. Einzeltiere
Die Erfolgschancen einer Behandlung sind bei bereits an Botulismus erkrankten Tieren sehr schlecht, haben die Tiere erst das Fressen eingestellt, besteht keine Aussicht auf Heilung mehr. Da die Therapie in jedem Fall sehr zeit- und kostenaufwändig ist, sollte die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen mit dem Hoftierarzt abgesprochen werden.
– Verbringen betroffener Tiere in Tiefstreu- Laufstall
– Regelmäßiges Hochziehen
– Infusionstherapie

Übertragungswege

Da Kot und Speichel erkrankter Tiere Toxine und Erreger enthalten, sollte beim Umgang mit ihnen auf jeden Fall auf Infektionsschutz geachtet werden (Handschuhe tragen, Hände gründlich waschen, Kleidung wechseln). Weitere Übertragungswege (z.B. über erregerhaltigen Staub) sind nicht eindeutig nachgewiesen, werden aber diskutiert.
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vollständiger Artikel “Botulismus: Wer den Schaden hat, dem helfen Diskussionen nicht weiter”
Quelle: www.rinderpraxis.com, www.rinderkrankheiten.com, Dr. med.vet. Marion Tischer
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Mehr zum Thema

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Botulinumtoxikosen bei Mensch und Tier–Chronischer Botulismus in Milchviehherden? Was ist dran?, Summary der Agrar- und Veterinär-Akademie-Tagung vom 30. September bis 1. Oktober 2010, pdf-Download:  >>>

rinderkrankheiten.com I 2013
Wer den Schaden hat dem helfen Diskussionen nicht weiter

botulismus.org I 2014
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