Die Gase in der Gülle: Masttiere als Chemiefabrik

Gülle ist ein toxischer Chemikaliencoktail

logo-bionegraDeutschland, 2014
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Lebewesen sind dem Grunde nach Chemiefabriken, bei denen vorne natürliche, verarbeitungsfähige Rohstoffe hineingesteckt und hinten wertvolle Endprodukte ausgeschieden werden. In der Zwischenzeit wird eine ganze Menge an Energie verbraucht, um die Produktion in gang zu halten. So ist das beim Menschen und auch bei den Tieren.
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In der Tat handelt es sich bei den menschlichen und tierischen Ausscheidungen um wertvolle Rohstoffe, die, wenn sie denn richtig verarbeitet dem Kreislauf wieder zurückgeführt werden, wahre Wunder vollbringen können. Sie lassen Pflanzen wachsen, die wiederum Kohlendioxid aus der Atmosphäre herausfiltern, Sauerstoff produzieren, uns Nahrung liefern und uns allen so das Weiterleben ermöglichen.

Urin, Fäces, Gülle..

Bei Urin, Fäces und Gülle, sowie vielen anderen Arten von tierischen Ausscheidungen handelt es sich um wahre Nährstoffbomben. Wenn diese in der richtigen Form, zum richtigen Zeitpunkt in richtiger Konzentration mit einer im Wachstum befindlichen Pflanze in Kontakt kommen, dann wird sich neues Leben, unter der Voraussetzung einer ausreichend feuchten Umgebung, prächtig entwickeln können. Das ist der Wunsch des Menschen.
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Im heutigen Industriezeitalter muss aber von allem viel vorhanden sein und vor allem schnell umgesetzt werden. Die Natur hat allerdings ihren eigenen Rhythmus und lässt sich nicht auf Dauer austricksen. In unserer überbevölkerten Welt bringen schon die enormen Mengen an menschlichen Ausscheidungen Probleme mit sich. Das kostbare Trinkwasser, mit welchem wir uns unserer Hinterlassenschaften entledigen, muss gereinigt und entsprechend der Wiederverwendung zugeführt werden, denn es ist endlich und in salzfreier Form nur begrenzt verfügbar.

Massentierhaltung..

Und nun ein Blick auf die von Menschenhand geschaffene Tierwelt, die als solche ihren Namen gar nicht verdient. Zu Zwecken des eigenen Lebens und Überlebens werden Millionen von Masttieren von Menschen produziert und reproduziert, auf engstem Raum gehalten und anschließend getötet. Die Gesamtzahl der so genutzten Tiere, d.h. Geflügel, Schweine, Rinder, Schafe usw. übersteigt die Zahl der von ihnen lebenden menschlichen Individuen um ein Vielfaches.
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Daraus erwachsen verschiedene Probleme, die auf unterschiedlichen Ebenen und vielfältigsten Wirkmechanismen basierend der Lebensvielfalt auf diesem Planeten endgültig das Ende bereiten könnten. Und dazu gehört ausdrücklich auch die menschliche Spezies, die als sehr empfindlicher Organismus äußerst anfällig ist für starke Veränderungen in der Umwelt. Neben der biologischen Gefahr aufgrund der sich durch Massentierhaltung entwickelnden resistenten Erreger, gegen die schon jetzt kaum mehr ein Antibiotikum wirksam eingesetzt werden kann, sind es die toxischen Verbindungen, die in der unbehandelten Gülle insbesondere von Rindern und Schweinen in großen Mengen gebildet werden und unaufhörlich als Gase in die Atmosphäre übergehen. Es handelt sich hierbei insbesondere um Schwefelwasserstoff, Ammoniak, Kohlendioxid und Methan.

Massentierhaltung und die Folgen..

Die Folgen der intensiven Tierproduktion sind dramatisch. Aufgrund der enormen Mengen entstehen so große Volumina an Ausgasungen, dass diese das Potenzial haben, das Klima auf der Erde nachhaltig zu beeinflussen. Denn bei sämtlichen Ausgasungen aus Gülle handelt es sich um klimarelevante Gase, die es einzudämmen gilt. Das nützt nicht nur dem Klima, sondern auch dem Landwirt, der sich der Gefahr in seinem Stall und der daran angeschlossenen Jauchegrube häufig nicht bewusst ist. Letztlich ist eine Reduktion toxischer Güllegase auch sinnvoll für den Tierschutz, da die empfindlichen Tiernasen ihre eigenen Ausscheidungen viel intensiver wahrnehmen, als der Mensch. Häufig verenden gerade Ferkel in solchen Giftwolken, denn sie sind die schwächsten Glieder im System.

Darüber hinaus gilt es, die Überdüngung einzudämmen, da aufgrund der zu hohen Ausbringungsraten auf die Felder enorm große Mengen an  Nährsalzen aus dem Boden ausgewaschen werden und in das Grundwasser bzw. über das Oberflächenwasser ins Meer gelangen. Auch die Folgen der Überdüngung von Flüssen, Teichen, Seen und des Meeres sind seit Jahrzehnten hinreichend bekannt.

Lösungsansätze..

Es existieren unterschiedlichste Ansätze, kurzfristig Abhilfe zu schaffen. Einerseits kann durch eine gezielte und geeignete Güllebehandlung (siehe hier >>>) die Ausgasung aus diesem wertvollen Medium nachhaltig eingedämmt werden. Weiterhin muss man den Boden, auf den die Gülle ausgebracht wird, aufwerten. D.h. man muss sicherstellen, dass sich eine ausreichend starke Humusschicht ausbildet, denn nur diese kann die hohen Mengen an Nährstoffen lange genug zurückhalten und speichern, damit diese zum großen Teil pflanzenverfügbar bleiben und nicht schnell mit dem nächsten Regenschauer ausgewaschen werden (siehe hier >>>). Als Nebeneffekt werden auch pathogene Erreger durch Humus ausreichend zurückgehalten und gelangen auf diese Weise nicht direkt in die Nahrungskette.

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Dauerhaft bleibt jedoch nur eine Lösung: der Ausstieg aus der Massentierhaltung mit all seinen Problemen im Bereich Tierschutz, Umweltschutz, Klimaschutz, Gesundheitsschutz. Die Politik wird langsam wach und erkennt die Probleme sehr deutlich. Die ergriffenen Maßnahmen sind jedoch ungenügend und zögerlich. In Dänemark ist das System beipielsweise sehr viel fortschrittlicher. Für die Zukunft gilt jedoch ganz klar: falls die Politik nicht schnell und erfolgreich Maßnahmen für den Bereich der Massentierhaltung verabschiedet, kann in einigen Jahren nur noch die „Notbremse“ gezogen werden. Das bedeutet Schließung der meisten und größten Anlagen zum wirtschaftlichen Nachteil der Landwirte. Denn heute ist bereits zu spüren, wer verantwortlich gemacht werden soll für das ganze Desaster: es sind die Landwirte, die das System Massenhaltung für ihr wirtschaftliches Überleben einsetzen und alle todbringenden Folgen dafür in Kauf nehmen. Die Politik wird ihre Hände wie gewohnt in Unschuld waschen und Schuld weit von sich weisen.

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